Küchenumbau – offenes Wohnen im historischen Einfamilienhaus
Ein Altbau muss nicht zwangsläufig in seiner ursprünglichen Raumstruktur weitergeführt werden. Gerade bei älteren Einfamilienhäusern können gezielte Eingriffe in den Grundriss völlig neue Wohnqualitäten schaffen – vorausgesetzt, Bestand, Statik und neue Nutzung werden von Beginn an gemeinsam betrachtet.
Bei der Renovation des Erdgeschosses mit Küchenumbau in Münchenstein stand genau diese Aufgabe im Zentrum. Die Bauherrschaft hatte Ende 2025 ein freistehendes Einfamilienhaus mit rund 250 Quadratmetern Fläche erworben. Das historische Gebäude besass viele typische Qualitäten eines Altbaus: hohe Räume, Zierelemente an den Decken, hohe Sockelleisten, Tapeten und einen Fischgrätboden. Gleichzeitig entsprach insbesondere die kleinteilige Raumstruktur im Erdgeschoss nicht mehr den Vorstellungen der neuen Eigentümer.
Projekt | Küchenumbau und Renovation Erdgeschoss |
Standort | Münchenstein, Basel-Landschaft |
Objekt | Freistehendes Einfamilienhaus, ca. 250 m² |
Projektart | Altbau / Umbau im Bestand |
Planung & Umsetzung | 2026 |
Leistungen | Innenarchitektur, Grundrissplanung, Küchenplanung, Material- und Farbkonzept, Lichtplanung, Innenausbau, Koordination |
Besonderheit | Öffnung des Erdgeschosses mit Rückbau zweier tragender Wände und einer zentralen Kücheninsel als raumbildendes Element |


Ausgangslage – Küchenumbau im Altbau mit tragenden Wänden
Das ursprüngliche Erdgeschoss war klassisch aufgeteilt. Vom Eingangsbereich gelangte man in getrennte Wohn-, Ess- und Küchenbereiche. Gerade diese Unterteilung empfand die Bauherrschaft als Einschränkung. Das Ziel war entsprechend klar: Der Eingangsbereich sollte bestehen bleiben, die anschliessenden Wohnräume hingegen möglichst vollständig geöffnet werden. Planerisch bedeutete dies einen erheblichen Eingriff in die bestehende Gebäudestruktur. Zwei der zu entfernenden Wände waren tragend und übernahmen Lasten aus dem Obergeschoss. Ihre Entfernung war daher nicht mit einem einfachen Rückbau vergleichbar, sondern erforderte eine neue statische Lösung. Gleichzeitig sollte das Tageslicht, das insbesondere über die südlich orientierte Gartenseite in das Gebäude gelangt, künftig möglichst weit in den gesamten Wohnbereich eindringen können. Hinzu kamen neue Anforderungen an Wasser, Abwasser und Elektroinstallationen. Die Küche sollte an einer neuen Position organisiert werden, an der die benötigte Haustechnik ursprünglich nicht vorhanden war. Auch der Terminrahmen war anspruchsvoll: Zwischen Erwerb der Immobilie und gewünschter Fertigstellung lagen lediglich rund acht bis neun Monate.

Unser Lösungsansatz
Grundriss optimieren statt nur Küche ersetzen
Für uns war früh klar, dass dieses Projekt nicht als isolierte Küchenplanung betrachtet werden sollte. Die Küche musste Teil eines neuen Raumkonzepts für das gesamte Erdgeschoss werden. Nach Entfernung der Trennwände entstand ein grosser, annähernd L-förmiger Raum. Diese Grosszügigkeit brachte gleichzeitig eine neue planerische Frage mit sich: Wie lassen sich Kochen, Essen und Wohnen klar organisieren, ohne wieder neue räumliche Barrieren zu schaffen?In der Konzeptphase entwickelten und verglichen wir deshalb unterschiedliche Grundrissvarianten. Die schliesslich gewählte Lösung nutzt die Küche selbst als raumbildendes Element. Eine grosszügige Kochinsel wurde zentral im neuen Wohnraum positioniert und bildet die Schnittstelle zwischen Koch-, Ess- und Wohnbereich. Dabei handelt es sich nicht nur um eine klassische Kücheninsel. Ihre Position strukturiert den gesamten Raum und schafft eine klare Orientierung, ohne die Offenheit zu beeinträchtigen. Hinter der Insel entstand eine grosszügige Hochschrankzone. Dahinter wiederum wurde eine zusätzliche, zurückhaltend integrierte Arbeits- und Stauraumnische geschaffen. Sie nimmt weitere Küchenfunktionen sowie Wasser- und Abwasseranschlüsse auf und ermöglicht es, viele alltägliche Arbeitsprozesse aus dem direkten Sichtfeld des Wohnbereichs herauszunehmen. Damit konnte trotz des sehr offenen Grundrisses deutlich mehr Stauraum geschaffen werden als zuvor.

Materialkonzept
zwischen modernem Innenausbau und Altbaucharakter
Die Bauherrschaft wünschte sich eine sehr helle, reduzierte und nahezu monochrome Gestaltung. Gleichzeitig sollte das historische Gebäude nicht zu einem neutralen Neubau werden. Genau dieses Spannungsfeld bestimmte die Materialwahl. Für die Arbeitsflächen wurde eine helle, fein strukturierte Keramik mit einer Stärke von 12 Millimetern gewählt. Ihre zurückhaltende Zeichnung erzeugt eine hochwertige Wirkung, gleichzeitig ist die Oberfläche robust und für die intensive Nutzung einer Küche geeignet. Die massgefertigten Einbauten wurden in einem sehr ähnlichen hellen Farbton lackiert. Stein beziehungsweise Keramik und Möbelelemente treten dadurch optisch als zusammenhängende Komposition auf.Die Wände erhielten einen sehr dezenten Grauton. Historische Zierleisten an den Decken und die hohen Sockelleisten wurden hingegen leicht in Weiss abgesetzt. Dadurch bleiben wesentliche Merkmale des Altbaus bewusst sichtbar. Der neue Eichenparkettboden im Landhausstil besitzt ebenfalls einen feinen Weissanteil und verbindet die unterschiedlichen hellen Materialien miteinander.Spiegelflächen im rückwärtigen Küchenbereich erfüllen eine weitere Funktion: Sie lassen die zweite Küchenzone optisch zurücktreten und geben dem Raum zusätzliche Tiefe. Ergänzt wurde das Konzept durch helle Vorhänge mit strukturierter Faltung. Sie rahmen die bestehenden weissen Fenster und lassen die Fensteröffnungen optisch grosszügiger erscheinen.

Lichtplanung für die offene Küche und den Wohnbereich
Mit der Öffnung des Grundrisses veränderten sich auch die Anforderungen an die Beleuchtung. Statt einzelne Zimmer unabhängig voneinander auszuleuchten, musste nun ein zusammenhängendes Lichtkonzept für verschiedene Nutzungszonen entstehen. Im gesamten Erdgeschoss wurde deshalb bewusst mit mehreren Lichtebenen gearbeitet. Deckenspots sorgen insbesondere an Arbeitsflächen für eine funktionale Grundbeleuchtung. Ergänzend schafft indirektes Licht eine ruhigere Lichtstimmung und unterstreicht die neue räumliche Grosszügigkeit.
Die Beleuchtung unterstützt damit die Zonierung, ohne den offenen Grundriss durch zusätzliche bauliche Elemente zu unterteilen.

Wichtige Entscheidungen beim Küchenumbau Münchenstein
Eine der weitreichendsten Entscheidungen war zweifellos der Rückbau der tragenden Wände. Ohne diesen Eingriff wäre die gewünschte räumliche Qualität nicht erreichbar gewesen. Gleichzeitig musste früh entschieden werden, wo das verfügbare Budget den grössten Mehrwert erzeugt. Ein wesentlicher Teil der Investition floss deshalb bewusst in die Küche und die massgefertigten Einbauten. Diese sind in diesem Projekt nicht lediglich Möblierung, sondern Bestandteil der Innenarchitektur und übernehmen eine raumbildende Funktion. Auch die Haustechnik musste früh in die Planung integriert werden. Neue Wasser-, Abwasser- und Elektroanschlüsse wurden unter anderem über das Kellergeschoss an die benötigten Positionen geführt. Diese frühzeitige Abstimmung war entscheidend, damit die gestalterische Idee später ohne störende Kompromisse umgesetzt werden konnte.

Umsetzung und Koordination der Gewerke
Die Umsetzung eines solchen Altbauprojekts ist immer ein Zusammenspiel verschiedener Fachbereiche. Beteiligt waren unter anderem Bodenleger, Elektriker, Sanitärinstallateur, Maler, Gipser und Schreiner sowie später Lieferanten für Beleuchtung, Vorhänge, Teppiche und Mobiliar.
Besondere Aufmerksamkeit erforderte der neue Bodenaufbau. Änderungen seiner Höhe beeinflussen unmittelbar Anschlüsse, Türen, Einbauten und die verbleibende Raumhöhe. Deshalb erfolgte bereits früh eine Abstimmung zwischen Bodenaufbau und Innenausbau. Eine weitere zentrale Aufgabe bestand in der zeitlichen Koordination. Ziel war ein effizienter Bauablauf, bei dem die einzelnen Gewerke aufeinander aufbauen konnten, ohne sich gegenseitig zu behindern oder unnötige Leerzeiten zu verursachen.Gerade weil die Schreinerarbeiten einen grossen Teil der neuen Raumstruktur bilden, konnten diese bereits früh detailliert geplant werden. Dadurch liessen sich Schnittstellen während der Realisierung reduzieren.
Gipser
Metallbauer
Maler
Schreiner
Bodenleger
Elektrounternehmen
Vorhang- und Möbellieferanten

Endergebnis
Offene Küche und neues Raumgefühl im Einfamilienhaus
Nach dem Umbau ist der ursprüngliche kleinteilige Charakter des Erdgeschosses kaum mehr wiederzuerkennen. Kochen, Essen und Wohnen bilden heute einen zusammenhängenden Lebensraum. Gleichzeitig besitzt jede Nutzung durch die Positionierung der Küche, des Esstisches und der Möblierung ihren eigenen Bereich. Besonders die zentrale Küchenlösung prägt das neue Raumgefühl. Sie schafft Orientierung und Stauraum, ohne den Raum zu dominieren oder dessen Grosszügigkeit zu reduzieren.
Die sehr helle Materialisierung verstärkt den Tageslichteinfall und erzeugt die von der Bauherrschaft gewünschte ruhige, moderne Atmosphäre. Gleichzeitig sorgen Parkett, bestehende Zierelemente und Sockelleisten dafür, dass die Geschichte des Hauses weiterhin spürbar bleibt. Für die Bauherrschaft war neben der optischen Veränderung insbesondere die Materialqualität entscheidend. Lackierte Schreineroberflächen, Keramik, Armaturen und textile Elemente überzeugen nicht nur visuell, sondern auch in ihrer Haptik. Besonders positiv wurde auch das ursprüngliche Grundrisskonzept bewertet: Eine Lösung, die während der Konzeptphase zunächst neu und ungewöhnlich erschien, funktioniert heute selbstverständlich im täglichen Gebrauch.

Fazit
Dieser Küchenumbau in Münchenstein zeigt, wie stark sich die Qualität eines bestehenden Einfamilienhauses verändern kann, wenn nicht nur einzelne Bauteile erneuert, sondern die vorhandene Raumstruktur grundsätzlich hinterfragt wird.
Der Rückbau zweier tragender Wände war ein erheblicher Eingriff in die Primärstruktur. Er ermöglichte jedoch genau jene Offenheit, die für das neue Wohnkonzept entscheidend war.
Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass moderne Innenarchitektur und historischer Bestand keine Gegensätze sein müssen. Die neue Küche, die reduzierte Materialisierung und der offene Grundriss stehen bewusst für eine zeitgemässe Nutzung, während charakteristische Elemente des Altbaus erhalten und neu inszeniert wurden.
Erkenntnisse aus diesem Projekt
Die Grundrissplanung sollte vor der eigentlichen Küchenplanung stattfinden.
Auch tragende Wände müssen nicht grundsätzlich als unveränderbare Grenze betrachtet werden; Eingriffe erfordern jedoch eine fachgerechte statische Planung.
Eine Küche kann als raumbildendes Element einen offenen Grundriss strukturieren.
Früh geplante Schreinerarbeiten reduzieren spätere Schnittstellen und konstruktive Kompromisse.
Ein heller, moderner Innenausbau kann mit historischen Elementen kombiniert werden, ohne den Altbaucharakter zu verlieren.
Gerade nach dem Kauf einer älteren Immobilie lohnt es sich, verschiedene Grundrissvarianten zu prüfen, bevor einzelne Gewerke beauftragt werden.
Warum dieses Projekt für Bauherren interessant ist
Viele Käufer älterer Häuser oder Wohnungen stehen vor einer ähnlichen Situation: Die Lage und die Bausubstanz überzeugen, die vorhandene Raumaufteilung entspricht jedoch nicht mehr dem heutigen Lebensstil.
Gerade dann lohnt es sich, nicht unmittelbar mit einem Küchenbauer oder einzelnen Handwerker eine Detaillösung zu entwickeln. Zuerst sollte geklärt werden, welches Potenzial der gesamte Grundriss besitzt.
Dieses Projekt zeigt, welchen Mehrwert eine frühe innenarchitektonische Konzeptphase schaffen kann. Mehrere Varianten ermöglichen es, bestehende Annahmen zu hinterfragen und Lösungen zu entwickeln, an die Bauherrschaften zunächst möglicherweise nicht gedacht haben.
Erst wenn Raumstruktur, Nutzung und Prioritäten feststehen, sollten Küche, Schreinerarbeiten, Haustechnik und Materialien detailliert geplant werden. Dadurch lassen sich Fehlentscheidungen vermeiden und die einzelnen Investitionen auf ein gemeinsames Gesamtkonzept ausrichten.

